Geschäftsmodell Gott und Big-Bang-ES

Die Vermarktung eines unsichtbaren Wesens stellt für mich den größten Coup und das erfolgreichste Geschäftsmodell in der Geschichte der Menschheit dar. Phantasiereiche, geld- und machtgeile Subjekte, alias Priester aller Couleur, haben mit der Idee von Gott oder Göttern große Reiche oder kleine Völker bis in die Küche und in den Stall hinein beherrscht und sich bezahlen lassen. Der Handel mit einem erfundenen Etwas war durch Jahrtausende das einträglichste Geschäftsmodell aller Zeiten. Und ich denke, dies wird weiterhin so bleiben, dass der Erdball damit regiert und dirigiert wird. Erstens wären die Gottes-CEOs schön blöd, wenn sie sich die Billionen und Besitztümer von jemandem abknüpfen ließen, oder? By the way: Wer sollte noch mächtiger sein als diese Lichtbringer (Luzifer)? Zweitens wird es auf dem Erdenrund niemals zu solch einer Gottes-Insolvenz kommen, denn wo viel, viel, viel Geld ist, da ist auch viel, viel, viel Macht. Das lassen sich die göttlichen Banker doch nicht wegnehmen. Sollte ihnen dann doch mal an die Wäsche gegangen werden, werden Opfer, Ankläger und Richter sicherlich lockerflockig mit ausgedacht Luzifer’schem Streich hinweggefegt und ins Reich der Mythen und Legenden befördert.

Ich stelle mir vor, dass dem sakralen Theater eventuell ein Ende gesetzt werden könnte, wenn Gott – falls man universales Bewusstsein als Gott bezeichnet – geplant oder aus Jux und Dollerei nach vielen Jahrtausenden – genauer gesagt nach 13.000 Jahren – mal wieder eine himmlische Überraschung in Form eines Asteroiden oder Meteoriden Richtung Erde schickt. Berechneter Vorbeiflug in weit unter 1 Million Kilometern mit relativ hoher Einschlagswahrscheinlichkeit: 1997XF11 am 26. Oktober 2028. Für Gott oder ES – wie es EvD liebevoll bezeichnet hat – eine kleine Ablenkung in der langweiligen Ewigkeit, für die kurzlebige Menschheit eine kosmische Katastrophe. In Anbetracht der ewigen Existenz des Universums bedeutet so ein Bumms aber eigentlich nichts Besonderes. Planetare Resets hat es gegeben und wird es weiterhin geben. Der letzte liegt, wie bereits erwähnt, 13.000 Jahre zurück. Damals starben alle Großtiere aus, die sich nicht in Erdlöchern verstecken oder sonst wohin flüchten konnten. Menschen hat es damals schon gegeben. Von ihnen wird vermutet, dass sich etliche in Höhlen verstecken oder ein paar auf die berühmte Arche Noah flüchten konnten. Dieses Zurück-auf-Anfang fanden die betroffenen Erdlinge sicherlich nicht lustig oder unterhaltsam. Darum wohl werden mögliche Impacts privat wie öffentlich nicht gerne diskutiert oder darüber philosophiert, was wohl im urahnlichen Stammhirn als Trauma festsitzt. Am schlimmsten ist die Vorstellung für jene, die am meisten zu verlieren haben. Das sind insbesondere zwei Gruppen: Junge Eltern mit kleinen Kindern sowie Reiche und Mächtige. Ein drohender Einschlag, bei dem Jahre vorher das Datum feststeht, bedeutet ja irgendwie, dass man seinen Todeszeitpunkt kennt.

Doch warum nicht? Ich wage das Gedankenspiel, dass mein Leben beim Einschlag von XF11 am 26. Oktober 2028 zu Ende sein wird. In Falle von XF11 habe ich also noch zwei Jahre und acht Monate vor mir. Vorausgesetzt, es erwischt mich nicht früher, was bei einem tödlichen Unfall oder aus gesundheitlichen Turbulenzen ja doch mit einbezogen werden sollte.

Das lasse ich der Einfachheit halber beiseite und bleibe beim 26. Oktober 2028. Ich stelle mir zwei grundsätzliche Fragen:

  1. Tun: Wie möchte ich die nächsten über zweieinhalb Jahre mein Leben gestalten und verbringen?
  2. Sein: Wie stelle ich mir meine kosmische Existenz nach besagtem Tag vor?

Bei einer Antwort auf die erste Frage überlege ich, welche Möglichkeiten sich anbieten, die Zeit bis zum Tag X sinnvoll oder unterhaltsam oder entspannt oder aufregend zu verbringen. Statt einer Antwort tauchen zunächst weitere Fragen auf. Was möchte und könnte ich mit den rund 1000 Tagen noch machen, erledigen und erleben? Werde ich mein verbleibendes Leben deswegen verändern, indem ich weniger oder nichts mehr arbeite, dafür in der Weltgeschichte herumreise, länger schlafe? Ich könnte auf die gesunde Ernährung pfeifen und essen und trinken, was ich gerade so begehre? Es ist auch egal, wie ich aussehe und wie viel ich wiege? Sex, Alkohol oder Drogen? Her damit, großen Schaden können die in den zweieinhalb Jahren nicht anrichten. Ja, und wie wäre es mit Ausgaben über dem Limit, Schulden bis zum Anschlag, dafür aber ein Rennwagen und wochenlanger Urlaub auf den Fidschis und auf Hawaii. Dort kann ich darüber nachdenken, was nach der Sintflut kommt, falls XF11 in den Pazifik fällt. Fliege ich nicht ans Ende der Welt und trinke dort bis zum Umfallen Caipirinha, Sex on the Beach und tanze Hulahula, statte ich allen Leuten und Institutionen Besuche ab und sage ihnen, was ich von ihnen halte. Gnadenlose Ehrlichkeit ist ein grausames Luxusgut vor dem Sterben. Von Hochhäusern aus werfe ich Flugzettel mit allerhand Beschimpfungen auf die Straßen, und jede Anzeige und jeder Prozess deswegen bedeutet für mich Amüsement und keine Strafe. Alles aber könnte sich verrückt und weniger gut entwickeln, wenn ich nach dem 26. Oktober 2028 weiterlebe, weil XF11 sich von der Erdanziehung hat nicht einfangen lassen und mit einem „Tschüss und Adieu bis zum nächsten Mal“ vor meinem Fenster vorbeizischt. Dann habe ich – dem kosmischen Bewusstsein sei gedankt – zwar überlebt, bin aber sterbensalkohol- und drogenkrank, übergewichtig, einsam, verschuldet, habe Diabetes, hohes Cholesterin und Bluthochdruck und sitze außerdem wegen allerhand Beleidigungen und Steuerhinterziehung im Kittchen.

Da nutze ich die mir verbleibende Zeit lieber, mich auf mein vergangenes Leben, meine Taten, Worte und Gedanken zu besinnen. War ich nützlich für den Kosmos und die Natur oder habe ich den Sauerstoff des Blauen Planeten nur sinnlos veratmet? Womit habe ich meine Mitmenschen verletzt und beleidigt, ihnen Unrecht getan? Ob sie es wollen oder nicht, werde ich ihnen Besuche abstatten und mich bei ihnen entschuldigen und ehrlich zu ihnen sein. So oft wie möglich werde ich Zeit mit meiner Familie verbringen und mich mit ihnen an die herrlich gelebte Vergangenheit erinnern. Meiner Mutter, meinem Sohn und meinem Partner werde ich über 1000mal zeigen und sagen, wie sehr ich sie liebe. Ich werde 1000mal weiterarbeiten, als gäbe es kein Ende, denn ich weiß, dass mich die Menschen brauchen. Für sie werde ich bis zum letzten Atemzug da sein. Am Morgen werde ich 1000mal meinen Kaffee im Bett trinken, ich werde weiterhin an der Isar und in der Hallertau über die Felder laufen, am Abend nach getaner Arbeit werde ich auf die Burg Trausnitz und durch den Hofgarten spazieren. Und ich werde weiterhin schreiben, an meinen Artikeln und an meinen Büchern… Auf jeden Fall ist es mir dann egal, ob XF11 einschlägt oder nicht. Ich werde mein Leben genauso gestalten und verbringen, wie es jetzt ist und werde mich dabei auf jeden Fall finden. Damit habe ich obige, erste Frage beantwortet. 

So komme ich zur nächsten Frage, wie ich mir denn meine kosmische Existenz nach dem 26. Oktober 2028 vorstelle. Ich weiß, dass sie nicht anders sein wird als die jetzige, weil ich mir die Vorstellung davon mein ganzes Leben lang erarbeitet habe. Ich bin nämlich bei Gott oder ES und damit bei mir selbst angekommen, was bedeutet, dass ich ewig, vollkommen und allmächtig bin. Das genügt für Jetzt und die ganze Ewigkeit. Das „Rad der Wiedergeburt“ – ich stelle es mir als eine Art Generationenraumschiff vor, habe ich vor langer Zeit schon verlassen, und den letzten Akt meines Karmas bis zur Rückkehr erledige ich gerade, oder anders ausgedrückt, gleiche ich mein kosmisches Bankkonto mit diesem Leben aus.

Der Weg, über den ich zu mir, Gott und ES gekommen bin, war von vielen Fragen, wie sie die meisten Menschen stellen, gepflastert: Wer hat das Universum erschaffen, und was gab es vor dem. Wer macht sich dort einen Spaß daraus, lässt aus einem Uratom heraus mit einem Big-Bang das Universum explodieren, Sterne aufeinander zujagen und Galaxien ineinanderknallen? Allmächtiger Gott, oder was? Warum sollte der auf meiner mickrigen Erde über 20000 Religionsgemeinschaften wollen, die sich unter Umständen auch noch blutig bekriegen? Wie können im Namen von Gott Kriegsgeräte zum Sieg gesegnet werden? Warum dürfen Schurken und Schufte, Halsabschneider, Mörder und Betrüger genauso glücklich sein wie die guten Leute? Warum lässt er Reiche noch reicher und Arme noch ärmer werden, wenn doch alle seine Kinder sind? Wie stellte dieser Gott die chemischen Substanzen für die Entstehung von Leben bereit? Woher kamen die Zutaten für die Ursuppe? Woher kam die Atmosphäre? Die Erde? Die Sonne? Die Milchstraße? Die anderen Galaxien?

Als Antwort dafür gibt es eine tolle Idee, wie die Welten entstanden sind. Unter anderem von Georges Lemaitre, ein belgischer Professor, Physiker und Mathematiker: Vor Milliarden Jahren war die gesamte Materie des Universums in einem Uratom verdichtet. Es war eine urschwere Materiemasse, die sich zum Kern permanent zusammenpresste. Im Laufe einer Ewigkeit multiplizierten sich deren immensen Kräfte, so dass sie explodierte, in Milliarden Teile splitterte und nach langer, langer Konsolidierungszeit sich  in unendlich viele Galaxien entwickelte. Und dann gibt es da noch die Theorie vom Big-Bang, die der russische Physiker George Gamlow formulierte, dass die Schöpfung mit einem großen Knall loslegte. Die Big-Bang-Theorie lässt sich positiverweise auch noch mit dem Dopplereffekt beweisen. Übrigens stammt der Name „Dopplereffekt“ ab von dem österreichischen Physiker Christian Doppler, der entdeckte, dass Wellenbewegungen bei Licht und Schall zusammenhängen. Einfach erklärt: Tonhöhe verändert sich durch Bewegung. Der Ton wird tiefer bei Entfernung, er wird höher bei Annäherung. Bewegt sich Licht Richtung Beobachter, wird es Blau, bewegt es sich vom Beobachter weg, wird es Rot. Mit dem Dopplereffekt kann die Geschwindigkeit der Sterne gemessen bzw. bestimmt werden. Dadurch weiß man auch, dass die Sterne sämtlicher Galaxien gleiche chemische Konsistenzen und gleiche physikalische Bedingungen wie die Sterne unserer Galaxie, der Milchstraße, haben.

Doch egal: Am Anfang stand die Schöpfung! Doch wo ist Platz für den „lieben Gott“? Könnte er, könnte diese urgewaltige Kraft ein Neutrum gewesen sein, das vor dem Big Bang existierte und die intergalaktische Zerstörung auslöste? Dadurch konnte es die Welten im Universum entstehen lassen.

Ich lasse mein Gedankenkonstrukt Gott oder ES noch spannender werden, wenn ich davon ausgehe, dass ES das Ergebnis dieses Big Bangs kannte, weil es zur „gelebten Erfahrung“ werden wollte. In einer Zeit, wo KI/künstliche Intelligenz oder AI/artificial Intelligence in den kommenden Jahren die Regentschaft und das Ruder der Schöpfung übernehmen könnte, habe ich ein kleines Denkmodell: Ein PC hat etwa 100 Milliarden Bits (Denkeinheiten) hat eine Art „persönliches Bewusstsein“, das an eine Maschine mit Milliarden Schaltstellen festgemacht ist. Sprengt sich der PC selbst in die Luft, ist sein „persönliches Bewusstsein“ kaputt. Die 100 Milliarden Bits mit verschiedener Geschwindigkeit sprengen in alle Himmelsrichtungen davon. Das zentrale PC-Bewusstsein existiert nicht mehr. Der kluge Selbstzerstörer hatte aber seine eigene Zukunft für nach der Explosion programmiert, bei der alle geladenen Bits mit ihren individuellen Infos irgendwann wieder am Zentrum der Explosion eintreffen werden. Dann wird jedes Bit bei seiner Rückkehr einen neuen Faktor, sprich, seine persönliche Einzelerfahrung mitbringen. Der springende Punkt, an dem jeder einzelne Mensch steht, wenn er sich nach Sinn und Unsinn seines Lebens fragt: Ab der Explosion bis zur Rückkehr weiß kein Bit, dass es Teilchen des unendlichen Bewusstseins war und wieder sein wird. Während seiner Fahrt durch die Existenz hat es natürlich keine Antwort. Es war jedoch Anfang und Ende von dem Akt der Schöpfung, des kosmischen Bewusstseins, das um den Faktor „Erfahrung“ reicher ist. Ich und alles Existierende sind Teile von dieser kosmischen Urkraft oder Gott oder ES. Teilhard de Chardin beschrieb diesen Zustand als „Punkt Omega“, an dem wir wieder wissen, dass wir in uns selbst Ursache und Resultat der Schöpfung vereinen.

Schade, dass „Gott“ über Jahrtausende hinweg mit Vorstellungen etikettiert worden ist, die eine nette Geschichte aus ihm gemacht haben, die jedoch – vorsätzlich? – verhindert hat, dass der Mensch dem Geheimnis der Schöpfung auf den Grund gekommen ist.

Mit dem Erwachen des interstellaren Bewusstseins eines jeden Einzelnen von uns geht die wahnwitzige, irdische Vielgötterei endlich zu Ende. Wir sind alle Teile des kosmischen ES, daher kann und wird der erfundene und vermarktete Gott nicht mehr zuständig für Gut und Böse oder für Leid und Freud sein. Wir tragen alles in uns, die negativen wie positiven Kräfte, weil wir eben alle aus dem ES stammen, das ES sind.

Wir sollten uns als kosmischen Teil begreifen und verstehen, denn so begreifen wir unsere eigene Bedeutung. Aus dieser Position heraus schaffen wir es, dass wir unsere irdische Heimat schätzen, schützen und bewahren und es zugleich wagen, nach den Sternen zu greifen.