Kommunalwahl 2026: Was Eier mit Visionen zu tun haben

Laut Reiseführer lebe ich in einer der entzückendsten Städte Deutschlands, nämlich in Landshut. Berühmt für den Kirchturm von Sankt Martin, der mit 130,1 Metern der höchste Backsteinturm der Welt ist. Außerdem für die seit 821 Jahren über der Alt- und Neustadt thronende Burg Trausnitz. Berühmt natürlich auch noch wegen der alle vier Jahre stattfindenden „Landshuter Hochzeit“. Wer darüber mehr wissen will, darf gerne die KI befragen. Von meiner Seite nur so viel, dass es 2027 wieder so weit ist mit der Metamorphose, denn da wird sich Landshut erneut vier Wochen lang in eine mittelalterliche Stadt verwandeln. Vier Wochen lang wird es einen nicht abreißenden Besucherstrom, was an und für sich ja ganz schön ist für die Landshuter Gastronomie und die Geschäfte, geben. Doch wird vor der Völlerei und dem Shopping in der Innenstadt eine riesige Geduldshürde zu bewältigen sein: Einen Parkplatz finden!

Landshut mag laut KI entzückend sein, doch ist Autofahren und Autoparken in Landshut alles andere als das. Ehrlich gesagt, ist es eine Katastrophe, gegen die niemand etwas unternimmt. Im Gegenteil, es wird schlimmer und schlimmer. Im kommenden Jahr werden zwei Parkhäuser abgerissen werden, so dass Hunderte von Parkplätze wegfallen. Dieses Jahr war eines bereits teilweise gesperrt wegen dem Problem mit der Brandgefahr von Elektroautos. Dann gibt es da noch die große Grieserwiese, auf der Arbeitspendler und Besucher gegen die geringe Tagesparkgebühr von einem Euro parken können. Im kommenden Jahr wird diese erhöht, was meiner Meinung nach vernünftig und okay ist. Doch zweimal im Jahr wird dieser Großparkplatz für jeweils mindestens zwei Wochen gesperrt für die Frühjahrs- und Herbstdult. Da komme ich zur Überschrift mit den Eiern: Kein Verantwortlicher hat diese, um zu bestimmen, dass diese Dult gefälligst auf dem riesigen Messegelände stattfindet. Abgesehen von einem Zirkuszelt, das seit Jahren als ausgelagertes Stadttheater vergessen ist, findet vielleicht mal ein eintägiger Flohmarkt auf diesem Gelände statt. Die Infrastruktur des Messegeländes ist ideal und es wurde auch eine Menge Geld investiert. Doch was passiert darauf? – Ein vergessenes Zirkuszelt und ein Flohmarkt. Da ist nichts entzückend, sondern die Lokalpolitik bar jeder Vision und Eier. Apropos Politik! Es stehen wohl Wahlen an, darum stehen vor dem Rathaus in der Altstadt ein paar Parteizelte mit den Leuten, die von den Landshutern gewählt werden wollen. Ich darf auch wählen – Parteien ohne Vision und Eier! Ja, ich bin verärgert von so viel Feigheit und Einfalt. Politik ist mehr als den Hintern im Rathaus aufwärmen. Ach ja, die Pferde gehen mit mir durch… Komme ich nochmals zurück zu der für die Stadtpolitik immer noch nicht erkannten Parktragödie in und um Landshut. Statt sich gebührend um die Autofahrer und deren Parkmöglichkeiten zu kümmern – immerhin kommen diese aus dem näheren und ferneren Umland, um Landshuts Einkommen und Überleben zu sichern -, veranstalten die Stadtpolitiker auf die Besucher eine Vertreibungsjagd. Der Dreifaltigkeitsplatz, an dem die Besucher ihre Autos wenigstens noch für eine Stunde abstellen können, um zum Orthopäden, Internisten,  Kinder-, Haut- oder Zahnarzt zu sehen und können, soll eine Grünfläche werden. Was für mich als Anwohnerin dieses Platzes eine wunderbare Möglichkeit ist, mich auf dem Rasengrün in den Liegestuhl zu legen. Doch denke ich tatsächlich an die parkplatzsuchenden Autofahrer. Es gibt am Dreifaltigkeitsplatz eine Anwohnerzone mit zwölf Parkplätzen. Was bedeutet, dass dort nur Autos mit Ausweis parken dürfen. Allerdings parken dort jeden Tag Autos ohne Ausweis. Doch nicht, weil die Parkplatzsuchenden die Anwohner ärgern oder ihnen den Platz wegnehmen wollen. Der Grund dafür ist, dass die Leute verwirrt sind von den Parkautomaten, die neben der Anwohnerzone stehen. Fast keiner schaut sich das kleine Schild an, auf dem steht, dass es sich um eine Anwohnerzone handelt. Wäre ich die Verkehrsverwaltung, hätte ich dieses Dilemma längst gelöst. Und wie? Gegenüber der Anwohnerzone befinden sich zehn freie, gebührenpflichtige Parkplätze. Diese würde ich auch zu Anwohnerplätzen erklären. Und statt 50 Euro Jahresgebühr für Anwohner verlangte ich 500 Euro. Denn das ist ein Anwohnerparkplatz allemal wert. Zwölf plus zehn Plätze macht 22 mal 500 Euro macht 11.000 Euro. Einsparen würde ich damit das Parkplatzwachpersonal, das jetzt nämlich sporadisch vorbeikommt und hin und wieder ein Zwanzig-Euro-Knöllchen an ein fremdes Fahrzeug steckt. Die Personal- und Verwaltungskosten, diese Knöllchen zu verteilen, zu überwachen und einzutreiben, übersteigen die Einnahmen um ein Vielfaches. Mann, wie einfach das wäre, würde man sich für ein Problem wirklich interessieren, dieses lösen, doch das braucht Eier…

Abgesehen davon, dass man für obige Vorschläge Eier benötigt, handelt sich diese lediglich um Kleingeisterei. Landshut mag entzückend sein, doch haben ihre gewählten Vertreter leider keinerlei Visionen – das Resultat des Festklebens an Rathausstühlen. Solle vielleicht einer eine Minivision haben, boykottiert er oder sie sich gleich selbst mit dem berühmten Satzanfang „Ja, aber…“. Hallo! Bei Visionen gibt es kein „Ja, aber…“. Hätten Guttenberg, Benz, Tesla, Watt, Franklin, Bell, Diesel, da Vinci, Zuse, Linde, Reis, Siemens, Bosch, van Beethoven, Fort, Adidas und Co. statt ihrer Erfindungen „Ja, aber…“ gedacht, gesagt und gelebt, gäbe es keine Kaffeemaschinen, Telefone, Kühlschränke, Autos, Blitzableiter, Motoren uvm. Ich fühle mich in der Runde dieser illustren und brillanten Menschen wohl und eifere ihnen nach. Deshalb zunächst einmal meine Vision für Landshut (die anderen noch verrückteren folgen später): In der Nähe des Landshuter Klinikums gibt es den Stadtpark, der von den Bundesstraßen B11/B15 geteilt wird. Er ist bestimmt kein besonderes Naturschmuckstück, sondern er wird genutzt als Durchgang zum Klinikum, als Hundeauslauf und als Drogenhandels- und Konsumgebiet. Nach Dunkelheit würde ich mich im Stadtpark nicht mehr aufhalten oder ihn durchqueren. Auf diesem Areal entsteht ein Hochhaus mit mindestens zwölf Etagen; sieben Etagen hat bereits das Klinikum. Unterirdisch gibt es zwei Parkdecks, oberirdisch drei Parkdecks. Auf einem Parkdeck können 250 Autos parken, in der Summe stehen also weit über 1000 Parkplätze zur Verfügung. Der Weg vom Parkhaus in die Innenstadt ist fußläufig und gut erreichbar; ansonsten fahren Busse. Die oberen Etagen des Hochhauses bieten Platz für Wohnungen oder Kinder- und Senioreneinrichtungen, Praxen, Geschäfte und Freizeitanbieter usw. Auf dem Dach wird ein Park installiert mit Sportangeboten und Restauration. So, meine Lieben, das ist eine Vision für Landshut. Und diese lassen wir jetzt so stehen, wie sie ist, ohne ein Wenn und Aber! Alles andere findet sich dann ganz von alleine. Visionen sind Bilder und Botschaften und setzen Energie in Bewegung…

By the way, liebe Leserschaft, wenn Sie im März 2026 neue Stadträte und Oberbürgermeister wählen, fragen Sie die Kandidaten doch vorher mal nach deren Visionen!